.

Übersicht über die Gegenstände des Studiums der Evangelischen Theologie

Vom 23./24. März 2012

(ABl. EKD S. 359)

#
Nach einem zustimmenden Votum der Kirchenkonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland erlässt der Rat der Evangelischen Kirchen in Deutschland die „Übersicht über die Gegenstände des Studiums der Evangelischen Theologie“ als Richtlinie gem. Artikel 9 Buchstabe a der Grundordnung der EKD. Kirchenkonferenz und Rat fordern die Gliedkirchen auf, ihre Prüfungspraxis daran zu orientieren. Der Evangelisch- theologische Fakultätentag hat einen entsprechenden Beschluss zu dem Stoffplan am 8. Oktober 2011 in Erfurt gefasst.
###

Übersicht über die Gegenstände des Studiums der
Evangelischen Theologie

Auf seiner Sitzung am 16./17. Juli 1998 hatte der Rat der EKD die „Übersicht über die Gegenstände des Studiums der Evangelischen Theologie und die Voraussetzungen und Gegenstände der theologischen Prüfungen“1 beschlossen. Zuvor hatte die Gemischte Kommission/Fachkommission I in den Jahren 1994 und 1995 eine Anhörung von Vertretern der klassischen theologischen Disziplinen, die an allen theologischen Fakultäten vertreten sind, durchgeführt und auf dieser Basis sowie in Orientierung am Positionspapier des Evangelisch-theologischen Fakultätentages vom 8. Oktober 1994 die dann vom Rat beschlossene „Übersicht“ vorbereitet. Die Bestimmungen der „Übersicht“ sind bei der Erarbeitung der Rahmenordnung für die Erste Theologische Prüfung/die Diplomprüfung in Evangelischer Theologie (2002)2 aufgenommen worden. Sie sind dann in die unten genannten Rahmenordnungen eingeflossen, so dass die jetzt erneuerte Fassung der „Übersicht“ ohne das umfangreiche Regelwerk ihrer Vorgängerin auskommt und dadurch wesentlich kürzer ausfällt.
#

1. Grundsätzliches

Durch die Benennung der Gegenstände des Studiums der Evangelischen Theologie bestimmen die Kirchen und die Evangelisch-theologischen Fakultäten im gegenseitigen Einvernehmen den wesentlichen Bestand der Sachgebiete theologischer Lehre, die für die wissenschaftliche Ausbildung zum geistlichen Amt notwendig sind. Dabei ist vorausgesetzt, dass das Studium primär der wissenschaftlichen Ausbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern dient und insofern berufsbezogen aufgebaut ist. Das entspricht auch dem Selbstverständnis der Evangelisch-theologischen Fakultäten. Wie bei jedem berufsbezogenen Studiengang schließt das die Möglichkeit von Transferleistungen in andere Bereiche ein.
Der Konsens, der in allen Prüfungsordnungen der Gliedkirchen der EKD verankert ist, gewährleistet die Vergleichbarkeit der Prüfungsstoffe und dient der einheitlichen Grundstruktur theologischer Fakultäten und Fachbereiche in der Bundesrepublik.
Die die Gegenstände des Studiums der Evangelischen Theologie benennende Übersicht bezieht sich auf die nachfolgend genannten Studien- und Prüfungsordnungen:
  • Rahmenordnung für den Studiengang Evangelische Theologie (Pfarramt/Diplom/Magister Theologiae) vom 26./27. März 20093
  • Rahmenordnung für die Zwischenprüfung im Studiengang „Evangelische Theologie“ (Erste Theologische Prüfung/Magister Theologiae) vom 3. Dezember 20104
  • Rahmenordnung für die Erste Theologische Prüfung/die Prüfung zum Magister Theologiae vom 3. Dezember 20105
  • Richtlinien zur Prüfung in Bibelkunde vom 9. Oktober 1999 (Biblicum)6
  • Richtlinien zur Prüfung in Bibelkunde vom 9. Oktober 1999 (Biblicum) Richtlinien zur Prüfung in Philosophie vom 16. Oktober 2004 (Philosophicum)7
  • Richtlinien zur Prüfung in Religionswissenschaft und Interkultureller Theologie vom 3. Dezember 2010.8
#

2. Die Gegenstände des Theologiestudiums und der Ersten Theologischen Prüfung/der Prüfung zum Magister Theologiae in Evangelischer Theologie

Die Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch sind Studienvoraussetzungen. Gleichwohl müssen sie in zahlreichen Fällen im Grundstudium nachgeholt werden. Dem hat das Angebot von Sprachkursen und die Organisation des Grundstudiums Rechnung zu tragen.
Die Erste Theologische Prüfung bzw. die Prüfung zum Magister Theologiae in Evangelischer Theologie schließt das Studium der Evangelischen Theologie ab. Gegenstände des Studiums sind die fünf Hauptfächer:
  • Altes Testament
  • Neues Testament
  • Kirchengeschichte
  • Systematische Theologie
  • Praktische Theologie
sowie das Fach Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie.
Im Lehrangebot aller Fakultäten und Kirchlichen Hochschulen müssen die genannten theologischen Hauptfächer mit ihren Hauptgebieten sowie das Fach Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie vertreten sein und dazu regelmäßig wiederkehrende Studienangebote bereitgestellt werden:
  1. Altes Testament mit folgenden Hauptgebieten:
    • Geschichte und Religionsgeschichte Israels in seiner altorientalischen Umwelt
    • Geschichte der atl. Literatur in ihrer altorientalischen Umwelt (Einleitung)
    • Exegese der alttestamentlichen Schriften in den Originalsprachen insbesondere aus Pentateuch (v.a. Gen, Ex, Dtn), Prophetie (v.a. Jes, Jer, Ez, Am, Hos, Sach) und Schriften (v.a. Ps, Hiob, Koh)
    • Theologie, Ethik und Hermeneutik des Alten Testaments
Für das Studium dieser Hauptgebiete sind insgesamt wichtig:
  • Biblische Archäologie und Landeskunde
  • Epigraphie und Ikonographie der alttestamentlichen Umwelt
2.
Neues Testament mit folgenden Hauptgebieten:
  • Jesus von Nazareth
  • Geschichte und Religionsgeschichte des frühen Christentums in seinen Kontexten
  • Geschichte der urchristlichen Literatur (Einleitung)
  • Exegese der neutestamentlichen Schriften in der Originalsprache, insbesondere Synoptiker, Paulinische Hauptbriefe und Deuteropaulinen (in Bezug zu den Paulinischen Hauptbriefen), Johanneische Literatur
  • Theologie, Ethik und Hermeneutik des Neuen Testaments
Für das Studium dieser Hauptgebiete ist insgesamt wichtig:
  • Geschichte und Literatur des frühen Judentums
  • Archäologie und Landeskunde des Mittelmeerraumes
3.
Kirchen- und Theologiegeschichte mit folgenden Hauptgebieten:
  • Geschichte des Christentums in der Antike, im Mittelalter, in der Reformationszeit, in der Neuzeit bzw. Neuesten Zeit (Kirchliche Zeitgeschichte) einschließlich der Theologiegeschichte und der außereuropäischen Christentumsgeschichte
Für das Studium der Hauptgebiete ist insgesamt wichtig:
  • Territorialkirchengeschichte
  • Christliche Archäologie und christliche Kunst
  • Konfessionskunde (sofern nicht Thema des Faches Systematische Theologie)
4.
Systematische Theologie mit folgenden Hauptgebieten:
  • Theologische Prinzipienlehre einschließlich Philosophie und der Auseinandersetzung zwischen dem christlichen Wirklichkeitsverständnis und den außerchristlichen Weltanschauungen und Religionen im Horizont der Gegenwartskultur
  • Dogmatik einschließlich Ökumenik (und Konfessionskunde, sofern nicht Thema des Faches Kirchen- und Theologiegeschichte)
  • Grundlagen und Konkretionen der Ethik
  • Geschichte der Dogmatik und Ethik im Zusammenhang von Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft, insbesondere der Neuzeit
5.
Praktische Theologie mit folgenden Hauptgebieten:
  • Grundlagen und Geschichte der Praktischen Theologie
  • Homiletik und Liturgik
  • Religionspädagogik
  • Poimenik
  • Kasualtheorie
  • Kirchentheorie
  • Pastoraltheologie
sowie Religionswissenschaft/Interkulturelle Theologie:
  • Theorien und Methoden der Religionswissenschaft
  • Geschichte und Gegenwart der Religionen
  • Interkulturelle Theologie /Missionswissenschaft und interreligiöser Dialog
Das Studium der Kirchengeschichte, der Systematischen Theologie und der Praktischen Theologie schließt die Lektüre von Quellentexten in den Originalsprachen ein.
Weitere Fächer sind:
  • Judaistik
  • Kirchen- und Staatskirchenrecht
  • Diakoniewissenschaft
  • Religionssoziologie
  • Religionspsychologie
  • Medienwissenschaft
  • Ostkirchenkunde
  • Kirchenmusik
Dort, wo sie nicht als eigene Fächer etabliert sind, müssen die Themen dieser Fächer in den fünf Hauptfächern und im Fach Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie behandelt werden.
In allen theologischen Fächern sind als besondere Themenschwerpunkte zu berücksichtigen:
  • Christentum und Judentum
  • Genderforschung
  • Ökumene.
Das interdisziplinäre Zusammenwirken der exegetischen und historischen Fächer, der Systematischen und der Praktischen Theologie entscheidet maßgeblich über den Erfolg der Ausbildung.
Evangelische Theologie reflektiert in allen ihren Fächern die Gegenwartsbedeutung der christlichen Tradition im Kontext der Gegenwartsgesellschaft und der sie prägenden weltanschaulichen und religiösen Traditionen. Sie wird gelehrt und studiert unter Einbeziehung der Philosophie sowie einschlägiger außertheologischer Wissenschaften samt deren Methodenlehren, z. B. Literaturwissenschaft, Psychologie und Soziologie. Dazu gehört die Teilnahme der Studierenden an ausgewählten fächerübergreifenden (sowohl interdisziplinären als auch interfakultären) Lehrveranstaltungen.
#
____________________
1
Text in Michael Ahme/Michael Beintker (Hg.), Theologische Ausbildung in der EKD. Dokumente und Texte aus der Arbeit der Gemischten Kommission/Fachkommission I zur Reform des Theologiestudiums (Pfarramt und Diplom) 1993 – 2004, Leipzig 2005, 95 – 107.
2
AaO 109 - 124.
3
ABl. EKD 2009, 113 - 116.
4
ABl. EKD 2011, 33 - 37.
5
ABl. EKD 2011, 37 - 43.
6
Ahme /Beintker, Theologische Ausbildung in der EKD (s. Anm. 1), 125-126.
7
AaO 127 - 128.
8
ABl. EKD 2011, 43 - 44.